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150 Jahre Feuerwehr – Teil XX: Eine ganze Menge wissen müssen – Vielfalt an Ausrüstung und Fahrzeugen bringt auch Vielfalt in der Ausbildung

23.03.2025

Die Zunahme der Zahl von Einsätzen, die aber auch in ihrer Art immer vielschichtiger wurden, führte in den 1970er Jahren dazu, dass die Feuerwehrleute sich auch mit einer wachsenden Zahl verschiedenster Aufgaben konfrontiert sahen. Ausrüstung und Fahrzeuge mussten den neuen Gegebenheiten angeglichen werden: Feuerwehr wurde so ein anspruchsvolleres, aber gleichzeitig auch immer vielfältigeres Hobby. Neu-Isenburgs ehemaliger Stadtbrandinspektor Karlheinz Müller berichtet uns aus dieser Zeit:

„Vor allem die Zweigleisigkeit, einmal der Brandeinsatz und einmal die technische Hilfeleistung, forderte eine Änderung in der Ausbildung. In der Sparte „Löschangriff“ kam verstärkt der Bereich „Tragen von Atemschutzgeräten“ mit der hierzu notwendigen gesundheitlichen Untersuchung – der so genannten „G26“ - hinzu.

In der Sparte Hilfeleistung mussten nunmehr auch die Einsätze „Ölunfall“ oder „Verkehrsunfall mit eingeklemmten Personen“ sowie die Ausleuchtung von Einsatzstellen ständig geübt werden. Die Folge hieraus war, dass neben dem „normalen“ Ausbildungsdienst, der regulär alle zwei Wochen stattfand, ab Mitte 1973 auch verschiedene Ganztagsübungen eingeführt wurden.

Feuerwehr wird Stützpunktfeuerwehr

Die Feuerwehr Neu-Isenburg wurde Stützpunkt für den westlichen Kreisbereich und Autobahnstützpunkt für die A 661 und später für die A 3. Außerdem wurde bei der Feuerwehr Neu-Isenburg die für den Kreis Offenbach vom Land Hessen im Dezember 1979 zur Verfügung gestellte „Grundausstattung für Feuerwehreinsätze in Verbindung mit radioaktiven Stoffen“ stationiert. Und im August 1980 kam dann noch die „Grundausstattung für Feuerwehreinsätze in Verbindung mit chemischen Stoffen“ hinzu.

Neben einer fundierten Grundausbildung im Bereich Brandschutz und Technische Hilfeleistung, gab es zusätzlich nun auch eine Grundlagenausbildung in den Spezialbereichen. Je nach Neigung wurden die Ehrenamtlichen dann einer der vier eigenständigen Abteilungen zugeteilt, um sein Wissen und Können auf dem jeweiligen Spezialgebiet unter Beweis stellen zu können: Großschadensereignisse, chemischer Bereich, radioaktiver Bereich sowie technische Hilfeleistung.

In den 1970-er Jahren wurde außerdem mit dem Kauf neuer Fahrzeuge nach und nach die Ersatzbeschaffung für „in die Jahre gekommene“ Feuerwehrfahrzeuge aus der Nachkriegsproduktion begonnen.

Willi Staub konnte 1971 für die Isenburger Wehr ein neues allradgetriebenes TLF 16/25 übernehmen. Es war wieder ein typisches MAGIRUS Fahrzeug, jedoch erstmals ein „Frontlenker“, also ein Fahrzeug ohne die lange Motorhaube vor der Windschutzscheibe. Da ein Feuerwehrfahrzeug bereits den Vornamen des amtierenden Bürgermeisters Ludwig Arnoul trug, brauchte man nun einen neuen Vornamen. Man hatte ja schon den „Adolf“ von 1954, den „Ludwig“ von 1961 und den „Georg“ von 1966. Um auch dem damaligen Ersten Stadtrat Heinrich Breitwieser eine besondere Ehre zuteilwerden zu lassen, erhielt das Frontlenker-TLF den Namen „Heinrich“. Es war die letzte traditionelle Namensvergabe, da ab 1975 die Fahrzeuge nur noch mit den jeweiligen Funkrufnamen bezeichnet wurden.

„Gerätewagen“ – speziell für technische Hilfeleistungen

Im Juni 1973 konnte ein Gerätewagen GW in Dienst gestellt werden, den mehrere Mitglieder der Feuerwehr in unzähligen Arbeitsstunden aus dem alten TLF 15 umgebaut hatten. Die wesentliche Beladung bestand aus allerlei technischem Gerät, einem 20-kVA Stromerzeuger, einem Flutlichtmast mit zwei 2000-Watt Scheinwerfer sowie einem Be- und Entlüftungsgerät. Damit war die Isenburger Feuerwehr auch für Hilfeleistungen gut gerüstet.

Was im Laufe der „Dienstzeit“ fehlte, waren „handliche“ hydraulische Rettungsgeräte. Anfang 1978 konnte dann der erste hydraulischer Rettungssatz, bestehend aus elektrischem Pumpenaggregat mit einer hydraulischen Rettungsschere und dem dazugehörigen Spreizer, beschafft und auf dem GW verlastet werden. Nun hatte man endlich die notwendigen Geräte, wie sie überwiegend bei Verkehrsunfällen zur Befreiung eingeklemmter Personen zum Einsatz kommen.

Im März 1975 konnte Willi Staub als „letzte Amtshandlung“ einen neuen LKW mit einer hydraulischen Ladebordwand übernehmen. Mit diesem 7,49t-Mercedes wurde überwiegend Material und Geräte transportiert.“

Ein neuer Kommandant, der erstmals als „Stadtbrandinspektor“ bezeichnet wurde, ein ganz besonderes Fahrzeug und ein rundes Jubiläum. In Teil 21 gibt es jede Menge weitere Einzelheiten aus dem Jahr 1975.