Zündende Idee – Feuerwehr hat ab heute Löschraketen im Einsatz

01.04.2019
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Löschraketen für die Neu-Isenburger Feuerwehr – das bleibt erst mal Zukunftsmusik. Doch auch wenn es einem auf den ersten Blick sehr seltsam vorkommt – so an den Haaren herbei gezogen ist das alles gar nicht.

1974 war es der Frankfurter Oberbranddirektor Ernst Achilles, der damals tatsächlich ein Konzept für den Einsatz von Löschraketen vorlegte: Zur Bekämpfung von Flugzeugbränden. „Die Achilles-Rakete aus Pressstoff, (…) wird von auf dem Tower oder am Rollfeldrand installierten Werfern abgeschossen und elektronisch über den Brennpunkt gesteuert. Dort explodiert sie und wirft ihren Inhalt – 50 Kilo Schaum – ab.“ So berichtete es damals sogar der SPIEGELAuch, wenn die Überlegungen damals in der Fachwelt sehr umstritten waren, Achilles verfolgte seine Überlegungen weiter – 1980 werden auf der Messe „Interschutz“ sogar Modelle vorgeführt. Aus Kostengründen und auch, weil zunächst ein geeignetes Löschmittel für die Bestückung von Löschraketen fehlt, scheitert das Projekt jedoch.

Wer mehr über das Projekt erfahren will, kann sich auf der Website des Frankfurter Feuerwehrmuseumsvereins die aktuelle „Museumsdepesche“ herunterladen. Ab Seite 8 ist das Projekt genau beschrieben.

Quelle: http://www.feuerwehr-frankfurt.de/index.php/mediathek/category/30-feuerwehrmuseumsverein

Unser Aprilscherz zum Nachlesen:
Der Bedarf- und Entwicklungsplan der Feuerwehr wird angepasst: Ein erweitertes Löschmittelkonzept der FFNI reagiert auf Mobilitätsveränderungen in Neu-Isenburg.

Baugebiet Birkengewann, Regionaltangente West, Stadtquartier Süd – Neu-Isenburg wird sich in den kommenden Jahren rasant verändern. Die mit der Stadtentwicklung verbundenen Umgestaltungen stellen die Freiwillige Feuerwehr Neu-Isenburg schon jetzt vor große Herausforderungen. Doch die Brandschützer haben gute Ideen!

„Die Stadt hat dem Land Hessen einen Mast abgekauft, der ursprünglich in Neu-Isenburg als Havarie-Funkmast für das neue Digitalfunksystem dienen sollte“, sagt Stadtbrandinspektor Stefan Werner stolz. „Das Funk-System läuft aber so problemlos, dass einfach nicht mehr für eine Havarie vorgesorgt werden muss.“ Eben diesen Mast haben ein paar technisch versierte Wehrleute zu einer Rampe umgebaut, so dass damit ausgediente Raketenkapseln der NASA mit Löschmittel bestückt auf die Reise geschickt werden können.


Bei ersten Tests noch auf Nummer sicher gegangen - ein Feuerwehrmann im Hitzeschutzanzug stand immer parat. Foto: FFNI

Mit diesem ersten Löschraketensystem Deutschlands steht in der Hugenottenstadt seit heute erstmals ein Verfahren zur Verfügung, das es den Feuerwehrleuten bei Kleinbränden ermöglicht, nicht einmal mehr an den Einsatzort ausrücken zu müssen – und so jedem Verkehrsinfarkt entgehen zu können.

„Bis zu 50 Liter Wasser, Wasser-Schaum-Gemisch oder Druckluft-Wasser-Schaumgemisch können so auf die Reise geschickt werden“, ergänzt Feuerwehrmann Ralph Schrod, der vielen Isenburgern als Verantwortlicher für das Silvesterfeuerwerk auf dem Dach der Hugenottenhalle bekannt sein dürfte. Bei dem Raketenprojekt ist er folgerichtig für die Antriebstechnik zuständig. „Da dürfen wir aber keine Details verraten, da mittlerweile sogar die Bundeswehr angerufen und Interesse an der Technik angemeldet hat“, so Schrod weiter. Als Reaktion auf den verheerenden Moorbrand im Emsland im vergangenen Jahr sucht man offenbar fieberhaft nach einer Technik, um derartige Brände künftig schneller in den Griff bekommen zu können.

So weit ist es aber noch nicht: Die ersten Löschkapseln haben eine Reichweite von ca. 8,3 km und allenfalls das Potential Mülltonnen- oder PKW-Brände im Außenbereich zu löschen.

„Das Praktische ist aber“, erläutern die Projektleiter Carsten Petz und Jochen Müller, „dass der Mast auf unserem Wechselladerfahrzeug montiert werden kann.“ Somit kann diese Löschmethode auch im überörtlichen Betrieb eingesetzt werden.


Sind mit dem Ergebnis des Projekts hochzufrieden - Wehrführer Jochen Müller (links) und Projektleiter Carsten Petz.

Bleibt die spannende Frage nach den Kosten: „Mit etwa 380.000 Euro kostet das System in etwa so viel wie ein gewöhnliches Löschfahrzeug“, sagt Stadtbrandinspektor Werner. „Das war in der sehr feuerwehrfreundlichen Stadtverordnetenversammlung gar kein Problem durchzubekommen.“

Wie wir aus vertraulicher Quelle in Erfahrung bringen konnten, blieb den Stadtverordneten aber auch keine Wahl: Ein Alternativkonzept zu dem Raketensystem sah vor, dass künftig E-Feuerwehrautos an einem Oberleitungssystem durch die Stadt geführt werden – durch die Anlage rund um die künftige Regionaltangente West hätte es da eine gute Grundlage gegeben. „Durch die Überlegungen des Baus einer Seilbahn auf der Frankfurter Straße bis zum Hessentag 2026 hätte es aber technisch massive Kollisionen gegeben“, berichtet ein Vertrauter des 1. Stadtrats, Stefan Schmitt. Trotzdem wollte man den kreativen Ideen der Feuerwehr natürlich nicht gänzlich ablehnend gegenüberstehen.

Einen der Appell an die Neu-Isenburger Bürger hat der Stadtbrandinspektor abschließend: Künftig Ruhe zu bewahren, wenn sie einen Leuchtstreif am Himmel entdecken. „Alles eine Frage der Gewohnheit“, meint Werner.

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