Trotz landesweitem Trend: Freiwillige Feuerwehren in Neu-Isenburg haben derzeit keine Personalsorgen

17.04.2018
Wie die diesjährigen Jahreshauptversammlungen der Brandschützer gezeigt haben, gibt es insgesamt dennoch genügend Herausforderungen für die Feuerwehr. Auch, wenn aus der von Stadtbrandinspektor Stefan Werner vorgestellten Statistik hervorgeht, dass insgesamt 134 Menschen (Stand 31.12.2017) ehrenamtlich in den beiden Einsatzabteilungen der Kernstadtfeuerwehr und der Stadtteilfeuerwehr Zeppelinheim engagiert sind – Neu-Isenburgs Wehrführer Jochen Müller rechnete vor, dass insbesondere tagsüber zunehmend Einsatzkräfte fehlen.

Nur rund 1/3 der freiwilligen Feuerwehrleute haben ihren regelmäßigen Arbeitsplatz in der Hugenottenstadt. „Während im Jahr 2016 im Durchschnitt noch 14 Feuerwehrangehörige pro Einsatz in der Wache erschienen sind, waren es im Jahr 2017 statistisch nur noch 12,5 Einsatzkräfte“, so Müller. Stadtbrandinspektor Werner ergänzte in seinem Jahresbericht, dass trotz eines stabilen Personalstands und einem „gesunden Altersmix“, die Neu-Isenburger Helfer im Landesschnitt eine außergewöhnlich hohe Einsatzzahl zu bewältigen haben. 2017 wurden von den Stadtteilfeuerwehren Zeppelinheim und der Kernstadt insgesamt 597 Einsätze gefahren. Die Freiwilligen Feuerwehren in Hessen kommen durchschnittlich auf 16 Einsätze pro Jahr. Werner: „Diese Zahlen machen deutlich, dass das Einsatzaufkommen in Neu-Isenburg von dem einer durchschnittlichen oder „normalen“ Freiwilligen Feuerwehr deutlich abweicht.“ Hinzu kämen überdurchschnittlich hohe Zahlen für Sicherheitsdienste bei Großveranstaltungen oder in Veranstaltungshäusern wie der Hugenottenhalle. „Es stellt sich hier zunehmend die Frage, wie viel mehr an Einsätzen, Sicherheitsdiensten und Ausbildung das Ehrenamt Feuerwehr noch vertragen kann.“

Außerdem, so Werner, würden in den nächsten Jahren vor allem einige erfahrene Maschinisten aus dem aktiven Dienst ausscheiden. Das sind die Feuerwehrleute, die die Feuerwehrautos zur Einsatzstelle fahren und dort beispielsweise die Pumpe des Fahrzeugs bedienen. „Hier wird in den kommenden Jahren eine verstärkte Ausbildung erforderlich, die natürlich auch einschließt, dass verstärkt Feuerwehrleute den LKW-Führerschein erwerben müssen. Entsprechende Mittel muss die Stadt in den kommenden Haushalten bereitstellen“, sagte der Stadtbrandinspektor.

Insgesamt verfügen die Neu-Isenburger Feuerwehren laut Bericht momentan immerhin über 26 Fahrzeuge, vier Anhänger und fünf so genannte „Abrollbehälter“. Drei Fahrzeuge und zwei Anhänger davon gehören dem Land Hessen und werden von der Feuerwehr Neu-Isenburg operativ betreut. Im Berichtsjahr 2017 waren zuletzt zwei neue Löschfahrzeuge in Dienst gestellt worden.

Über 7.000 Stunden wurden 2017 für Einsätze, rund 9.000 Stunden für Aus- und Fortbildung aufgewendet – ganz überwiegend ehrenamtlich. „Glücklicherweise wurden im Einsatz keine Feuerwehrangehörigen nennenswert verletzt.“ 152 Menschen konnten während der Einsätze (zum Teil verletzt) gerettet werden, für zehn Personen kam im Berichtsjahr leider jede Hilfe zu spät. Eine Übersicht über herausragende Einsätze in 2017 gibt es hier.

Die Ausbildung der ehrenamtlichen Einsatzkräfte folgt in Neu-Isenburg einem ganzheitlichen, generationsübergreifenden Konzept: Von der Kinderfeuerwehr zur Jugendfeuerwehr, über eine „Grundausbildungsgruppe“ in die Einsatzabteilung.

Bereits bei der Kinderfeuerwehr, den derzeit 20 Neu-Isenburger „Löschdrachen“, so berichtete Zeppelinheims Wehrführer Udo Bachmann, werde mit der Vermittlung des Brandschutzgedankens begonnen, auch wenn hier zunächst der Selbstschutz in Gefahrensituationen im Vordergrund stehe. Weitere Infos zur Kinderfeuerwehr gibt es hier.

Jugendfeuerwehrwart Marius Seeger teilte in seinem Bericht indes mit, dass aus der Kinderfeuerwehr zwar kontinuierlich, aber leider nur sehr wenige Mitglieder mit zehn Jahren in die Jugendabteilungen der Neu-Isenburger Feuerwehren wechselten. Hinzu kommt laut Seeger, dass sich zum 31.12.2017 zwar ein Stand von insgesamt 21 Mitgliedern (18 Jungen und drei Mädchen) ergebe, „perspektivisch dieses Jahr allerdings auch noch sieben Mitglieder in die Einsatzabteilung übertreten werden.“ Nachdem im vergangenen Jahr der Fokus auf die Weiterentwicklung der Ausbildung gelegt wurde, soll in diesem Jahr daher verstärkt Mitgliederwerbung betrieben werden. „Wer zwischen zehn und 17 Jahre alt ist und in Neu-Isenburg und seinen Stadtteilen lebt ist herzlich Willkommen, mal reinzuschnuppern.“ Weitere Infos gibt es hier.

Während es beim Übergang von der Kinder- in der Jugendfeuerwehr ruhig noch etwas mehr „Wechselwillige“ geben könnte, stellt sich dieses Problem beim Übergang von der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung nicht. Wehrführer Jochen Müller: „Während es in anderen Landesteilen Hessens hier wohl große Verluste gibt, findet dieser Übergang bei uns fließend statt, da die Jugendlichen bereits mit 16 Jahren an den Ausbildungen der so genannten „Grundausbildungsgruppe“ teilnehmen. Es ist beruhigend zu wissen, mit welchem Engagement hier die Zukunft unserer Feuerwehr gesichert wird.“

Stadtbrandinspektor Stefan Werner wies in seinem Jahresbericht außerdem erneut auf die Herausforderungen hin, die die Stadtentwicklung mit neuen Baugebieten und Straßen so mit sich bringt. Momentan ist es vor allem die Bautätigkeit im „Birkengewann“, die die Feuerwehr regelmäßig beschäftigt. „Ein wesentlicher Punkt ist, immer darauf hinzuweisen, dass eine möglichst gute Erreichbarkeit der Feuerwache für die ehrenamtlichen Kräfte gewährleistet bleibt.“

Allerdings wolle man auch die Chancen nutzen, die so ein neues Wohngebiet mit sich bringt: „Das Birkengewann bringt auch neue Nachbarn – Nachbarn, die bisher nicht neben einer Feuerwache und einer Rettungswache gewohnt haben. Hier gilt es um Verständnis zu werben, aber auch eventuell neues ehrenamtliches Personal zu gewinnen.“

Bürgermeister Herbert Hunkel richtete bei der gemeinsamen Jahreshauptversammlung ebenfalls einige Worte an die ehrenamtlichen Helfer. Angesichts der von Stadtbrandinspektor Werner vorgestellten hohen Einsatzzahlen und des zusätzlichen Aufwands für Aus- und Fortbildung hob er den besonderen Wert des Engagements der Feuerwehrleute hervor. Außerdem sei man bei der Stadt froh, dass die Feuerwehr gerade im Zusammenhang mit der städtebaulichen Entwicklung stets wichtige feuerwehrrelevante Sicherheitsaspekte aufzeige, die sich zum Beispiel aus Projekten wie dem Neubaugebiet Birkengewann ergeben. „Machen Sie ruhig immer auch unbequeme Anmerkungen“, ermunterte der Bürgermeister Stadtbrandinspektor Werner. Der wiederum hob positiv hervor, „dass die Stadt immer ein offenes Ohr für die Belange der Feuerwehr hat und in den meisten Fällen sofort handelt.“

Während der Veranstaltung wurden außerdem insgesamt zwölf Feuerwehrleute mit Anerkennungsprämien des Landes Hessen für ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr ausgezeichnet:

Anna-Katharina Bernhard, Marius Seeger und Amadeus Möller für 10-Jährige aktive Mitgliedschaft, Mario Müller und Steffen Schelhasse für 20 Jahre, Thomas Köhler, Thomas Ott, Sven Straßburg, Jens Multer und Oliver Stork für 30-Jährige aktive Mitgliedschaft, Peter Becker und Sven Wieland für 40 Jahre Dienst am Nächsten.


Das Bild zeigt von links: 1. Stadtrat Stefan Schmitt, Oliver Stork, Stadtbrandinspektor Stefan Werner, Sven Straßburg, Sven Wieland, Anna-Katharina Bernhard, Amadeus Möller, Peter Becker, Marius Seeger, Steffen Schelhasse, Thomas Köhler, Mario Müller, Thomas Ott, Jens Multer, Bürgermeister Herbert Hunkel, stellv. Stadtbrandinspektor Thomas Peters.

Den gesamten Jahresbericht zum Nachlesen gibt es hier.

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