Historischer Tag: Vor 90 Jahren zog die Feuerwehr an den Wilhelmsplatz

06.08.2017
Am 7. August 1927 – also ziemlich genau vor 90 Jahren, hat die Freiwillige Feuerwehr Neu-Isenburg das Feuerwehrhaus am Wilhelmsplatz bezogen. Das heutige „Haus der Vereine“ blieb für über 57 Jahre das Domizil der Brandschützer.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Gerätschaften der freiwilligen Helfer im „Spritzenhaus“ in der Schulgasse untergebracht – dort wo heute das „Alte Stadthaus“ steht.

Am 7. November 1926 wurde in der Offenbacher Straße 35 der Grundstein für das Feuerwehrhaus gelegt. Bereits bei seiner Einweihung am 7. August 1927 galt es aufgrund seiner großzügigen Gestaltung mit sechs Fahrzeugboxen, einem Schulungsraum und der Möglichkeit zur Unterbringung einiger Feuerwehrleute in im Haus befindlichen Wohnungen als mustergültig.

Die 1920er Jahre waren in vielerlei Hinsicht eine Zeit des Umbruchs bei der Feuerwehr Neu-Isenburg:

1928 ging es technisch einen großen Schritt voran: Die Hugenottenstadt erhielt ihr erstes „richtiges“ Feuerwehrauto: eine Automobilspritze der Firma Magirus vom Typ „Bayern“. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Fahrzeuge der Feuerwehr Neu-Isenburg allesamt mit Pferden bespannt. Sie mussten im Einsatzfall von Fuhrunternehmen, die es in der Stadt damals zahlreich gab, zur Verfügung gestellt werden. Sage und schreibe 38 Jahre war die Automobilspritze im Dienst der Feuerwehr. Heute ziert sie - grundlegend restauriert - das Foyer des Feuerwehrhauses in der Sankt-Florian-Straße.

Außerdem wurde im Bereich der Ausbildung in Neu-Isenburg ab der 1920er Jahre auf das System des „Einheitsfeuerwehrmanns“ gesetzt – als eine der ersten Feuerwehren in Deutschland kam man so vom bis dahin bestehenden System der „Zugbildung“ (z.B. Steigerzug, Spritzenzug, Hydrantenzug) ab. Bisher hatte jeder Feuerwehrmann eine spezielle Funktion übernommen – jetzt sollten „alle alles“ lernen. Der Vorteil dieser damals neuen Ausbildungsart liegt auf der Hand: Jeder Feuerwehrmann konnte fortan dort eingesetzt werden, wo er gerade am Dringendsten gebraucht wurde. Bis heute hat sich an dieser Form einer „gleichen Ausbildung für alle“ grundsätzlich nichts geändert.

In der Nachkriegszeit in den 1950er Jahren mussten zahlreiche neue Fahrzeuge beschafft werden, da die meisten Fahrzeuge aus der Zeit vor dem Krieg stammten und überaltert bzw. „verbraucht“ waren. 1961 gab die Wehr den bis dahin mit zwei Fahrzeugen durchgeführten Krankentransport an das Deutsche Rote Kreuz ab. Dennoch platzte das Feuerwehrhaus einige Jahre später aus allen Nähten, weshalb 1968 eine unterkellerte Großgarage mit sechs Stellplätzen für Löschfahrzeuge angebaut wurde. In dem neuen Keller wurden neben Lagerräumen eine neue Atemschutzwerkstatt und eine Schlauchwaschanlage eingerichtet.

Wegen der ständig wachsenden Einsatzvielfalt, unter anderem aufgrund der immer schnelleren technischen Entwicklungen, erhielt die Freiwillige Feuerwehr Neu-Isenburg in den frühen 1980er Jahren vom Land Hessen verschiedene Ausrüstungen: Unter anderem für den Einsatz mit chemischen und radioaktiven Stoffen. Durch die notwendige Beschaffung neuer Fahrzeuge wurde die Platzsituation im Feuerwehrhaus in der Offenbacher Straße so prekär, dass nur ein Neubau Abhilfe schaffen konnte. Nach langen Diskussionen entschied man sich für den heutigen Standort an der Sankt-Florian-Straße. Er wurde 1984 eingeweiht – und seitdem bereits mehrfach erweitert.

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