Automatischer Externer Defibrillator (AED)

Kampf dem Herztod
 

Das Deutsche Ärzteblatt berichtet im Mai 2001 über eine „Empfehlung der Bundesärztekammer“ zur Defibrillation mit automatisierten externen Defibrillatoren (AED) durch Laien.

Der plötzliche Herztod ist die häufigste außerklinische Todesursache in Deutschland (ca. 100.000 Menschen im Jahr fallen ihm zum Opfer). Die überwiegende Mehrzahl aller Patienten mit plötzlichem Herztod weisen initial ein Kammerflimmern auf. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes ist ohne Reanimation das Kammerflimmern nicht selten in eine Asystolie (Herzstillstand) übergegangen. Die einzige wirksame Behandlung im Rahmen der Reanimation stellt die Defibrillation dar. Je früher die Defibrillation erfolgt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit des Überlebens ohne bleibende körperliche Schäden. Jede Minute ohne schnelle Erstdefibrillation in Verbindung mit Reanimation reduziert die Überlebenswahrscheinlichkeiten um 10%.

Erfahrungsberichte aus aller Welt haben gezeigt, dass

  1. medizinische Laien nach entsprechender Unterweisung im Rahmen der Reanimation die automatisierte externe Defibrillation sicher und erfolgreich durchführen können,
  2. die Überlebensrate dadurch erheblich gesteigert werden kann.

Die Defibrillation durch Laien ersetzt nicht die Aufgaben des Rettungsdienstes. Sie verkürzt die Zeitspanne zwischen Auftreten des Kammerflimmerns und der Defibrillation und erhöht dadurch die Überlebenswahrscheinlichkeit. Soweit die Empfehlung.

Aus einem Bericht der Sanitätsorganisationen über „Gemeinsame Grundsätze zur Erstdefibrillation“ aus dem Jahre 2000 geht hervor, dass auch der europäische Wiederbelebungsbeirat (ERC) das Konzept der Erstdefibrillation durch nicht-ärztliches Personal unter bestimmten Bedingungen als unerlässlich ansieht. Der wissenschaftliche und klinische Bereich spricht mit überwältigenden Daten für diese Strategie.

Die Industrie trägt dieser Forderung Rechnung, indem halbautomatische externe Defibrillatoren entwickelt wurden. Sie verfügen über ein Analysesystem, welches das EKG des Patienten auswertet und bei Kammerflimmern und pulsloser ventrikulärer Tachykardie eine Defibrillation empfiehlt. Der eigentliche Stromstoß muss dann nur noch durch den Anwender mittels Knopfdruck ausgelöst werden.

Umsetzung der Bemühungen für Neu-Isenburg

Auch die Stadt Neu-Isenburg ist dem Aufruf der Björn-Steiger-Stiftung gefolgt und hat im Rahmen einer Beschaffungsaktion durch den Kreis Offenbach ebenfalls fünf Erstdefibrillationsgeräte (AED) vom Typ LP 500 beschafft. Dankenswerterweise hat die Kosten für die Beschaffung dieser fünf Geräte in Höhe von 9.500 EURO der Vorstand der Dr. Bodo Sponholz-Stiftung, Herr Erwin Nöske, übernommen.

Die Indienstellung der ersten fünf Geräte erfolgte im Jahr 2003.

Schon im Jahr 2007 konnte der Grundstein für eine weitere Beschaffung von fünf Geräten gelegt werden. Die Kosten (12.046 Euro), inklusive der benötigten Beatmungsbeutel konnten, dank einer weiteren großzügigen Spende der Frankfurter Dr. Bodo Sponholz-Stiftung, Herrn Erwin Nöske getragen werden. Die Implantierung dieser Geräte erfolgte im März 2008.

Aus technischen Gründen wurde ein Wechsel des Gerätetyps notwendig. Wir haben uns für den Typ: CR Plus entschieden, dieser stammt ebenfalls von Medtronic. Hier hat sich die Zusammenarbeit mit dem Hersteller bewehrt, da auch die ersten fünf LP 500 Geräte ohne Mehrkosten umgestellt werden konnten.

Ausbildungsgrundsätze für die Stadt Neu-Isenburg

Nach „Empfehlung der Bundesärztekammer“ sollten die Anwender in einer gesonderten Ausbildung geschult werden. Hierfür mussten einige Steine ins Rollen gebracht werden.

Es ist ratsam, die Ausbildung durch einen medizinischen Profi überwachen zu lassen. Hier sind wir dankenswerter Weise durch den „Ärztlichen Leiter Rettungsdienst“ des Kreises Offenbach, Herrn Dr. Frank Naujoks vertreten. Die Vorteile für die Projektbegleitung durch einen Arzt, z.B. den ÄLRD sind: fachliche Kompetenz bei sämtlichen medizinischen und rechtlichen Fragen, die Möglichkeit näheres (evtl. Genesung) über behandelte Patienten zu erfragen und mit den Beteiligten eines Reanimationseinsatzes ein Gespräch zu führen, denn ein solcher Einsatz ist für jeden Laien sicherlich belastend.

Des Weiteren müssen die Möglichkeiten der Ausbildung strukturell geschaffen werden. Hierbei hat sich die Stadt Neu-Isenburg ihres Fachbereiches (FB 37) Brandschutz bedient. Ein Mitarbeiter dieses Fachbereiches hat sich in Augsburg bei der Berufsfeuerwehr (dort werden die Geräte seit ca. 6 Jahren eingesetzt) in einem zweitägigen Kurs für Ausbilder schulen lassen. Alle zwei Jahre muss diese Ausbildung aufgefrischt werden.

Aufgrund der enormen Arbeit, die durch die Ausbildung, die Terminvergabe, die Fortbildungen usw. entstanden ist, wurde der Ruf nach einem Vertreter laut. Dieser konnte Anfang 2005 ernannt werden. Es handelt sich hier ebenfalls um einen Mitarbeiter aus dem Fachbereich 37, Herrn Staskiewicz. Dieser hat ebenfalls die Ausbildung in Augsburg zum AED-Ausbilder durchlaufen.

Vom Hersteller der Geräte wurden die beiden Mitarbeiter am neuen Defibrillator (CR Plus) ausgebildet. Diese Schulung ist nach MPG (Medizinprodukte-Gesetz) notwendig, um als Gerätebeauftragter die anfallenden Wartungen und Kontrollen zu übernehmen. Ebenfalls müssen die Daten nach einem Einsatz gesichert werden.

Außerdem ist es erforderlich, dass die politischen Gremien von der Sache überzeugt werden, damit diese das Projekt auch unterstützen. Für einen Teil der Ausbildung (bsp.: Erste-Hilfe) und einige Schulungsunterlagen sowie Beatmungspuppen und AED-Trainingsgerät sind evtl. finanzielle Mittel erforderlich die nur durch die städtischen Haushalte getragen werden können.

Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der städt. Einrichtungen

Durch den Ausbildungsleiter und den ärztlichen Projektleiter wurde festgelegt, dass eine Erste-Hilfe-Ausbildung von 8 Doppelstunden als erster Schritt vorausgesetzt wird. Diese EH-Ausbildung muss alle 2 Jahre in einem 8 Stunden dauernden Auffrischungslehrgang erneuert werden.

Nach Absolvierung der EH-Ausbildung folgt im Anschluss die Ausbildung am AED-Gerät. Dieser Kurs hat als Erstlehrgang die Dauer von ca. 8 Stunden.

Inhalte
Diagnostik/Indikation, Algorithmen, Reanimationstraining mit Beatmungshilfen, Geräteeinweisung nach Medizinproduktegesetz, Training mit den AED-Geräten, Auswertung und Dokumentation von Einsätzen.

Damit die erworbenen Fähigkeiten nicht verlernt werden, und der Umgang mit dem AED-Gerät ausreichend oft geübt werden kann, ist eine jährliche Fortbildung (Auffrischung) von ca. 4 Stunden erforderlich.

Standorte der AED's

  • Feuerwache Neu-Isenburg: Auf dem ersten Einsatzfahrzeug (seit 2003)
  • Feuerwache Neu-Isenburg: Reservegerät Austausch für andere Standorte (seit 2008)
  • Feuerwache Zeppelinheim: Auf dem ersten Einsatzfahrzeug (seit 2008)
  • Rathaus: Erste-Hilfe-Raum (seit 2003)
  • Bürgeramt: Bürgeramt (seit 2003)
  • Stadthalle: Erste-Hilfe-Raum (seit 2003)
  • Schwimmbad: Freibad oder Hallenbad (seit 2003)
  • Gravenbruch: Forsthaus Apotheke (seit 2008)
  • Sportpark Vorraum Hallenwarte (seit 2008)
  • Bürgermeister Dienstfahrzeug PKW (seit 2008)
  • Isenburgzentrum Hauptinformation (Hier konnte ebenfalls 2008 mit der Ausbildung des Personals begonnen werden. Alle ausgebildeten in Neu-Isenburg können auf das Gerät zurückgreifen, bei einem Notfall im Zentrum).

Ansprechpartner

Frank Burger

Feuerwache

Sankt-Florian-Str. 2

63263 Neu-Isenburg

Tel 06102 / 7424

Fax 06102 / 33938

Mail fburger@…© Frank Burger